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DEUTSCHLAND: Megatrend Regionalität im Mittelpunkt der DLG-Lebensmitteltage 2011

Das Thema „Regionalität“ ist keine Modeerscheinung, sondern ein langfristiger Megatrend: 61 % der Verbraucher glauben, dass uns dieses Thema noch über die nächsten 10 bis 15 Jahre beschäftigen wird. Allerdings herrscht beim Verständnis „Was Regionalität ist“ Uneinigkeit. Hier könnte ein entsprechendes Qualitätssiegel in Zukunft für Orientierung sorgen. So lautet eine der zentralen Botschaften der DLG-Lebensmitteltage 2011, die am 21. und 22. September in Darmstadt stattfanden. 550 Teilnehmer aus allen Bereichen der Ernährungsbranche diskutierten an zwei Tagen über aktuelle Themen und Strategien. Im Zentrum der großen Plenarveranstaltung am zweiten Tag der DLG-Lebensmitteltage stand das Thema “Regionalität”. Eröffnet wurde die Veranstaltung von DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer.

Die DLG-Lebensmitteltage waren auch in diesem Jahr wieder Treffpunkt und Diskussionsforum für die Lebensmittelbranche aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland. Die Plenartagung, die zwei Fachtagungen zu den Themen Sensorik und Verpackung sowie die Siegerehrungen “Preis der Besten” wurden in diesem Jahr von rund 550 Teilnehmern besucht. Im Mittelpunkt der abschließenden großen Plenarveranstaltung stand das Thema “Regionalität” und die sich daraus ergebenden Herausforderungen an die Lebensmittelhersteller und die Gesellschaft.
Regionalität: Trend für die nächsten 10 bis 15 Jahre
 
„Regionalität“ ist für viele Deutsche das Thema Nr. 1 und wird Deutschland noch mindestens 10 bis 15 Jahre begleiten. Es bedient das gestiegene Bedürfnis nach Erdung, Authentizität und Qualität. Das Thema „Regionalität“ steht mit 45 % in der Wichtigkeit der Themen beim Verbraucher eindeutig an erster Stelle, vor den Themen „Bio“ (22 %) und „Nachhaltigkeit“ (21 %), so das Ergebnis der aktuellen DLG-Studie zum Thema „Regionalität aus Verbrauchersicht“, die auf den DLG-Lebensmitteltagen in Darmstadt von Günther Nessel, geschäftsführender Gesellschafter der Kommunikationsagentur für die Ernährungswirtschaft „Taste!“ (Offenbach), vorgestellt wurde. 97 % der Verbraucher gaben an, regionale Produkte zu kaufen, weil sie explizit aus der persönlich definierten Region stammen. Aspekte wie Transportwege oder Umweltschonung spielen in der Verbraucherwahrnehmung eine eher untergeordnete Rolle. Regionale Produkte sind in der Verbraucherwahrnehmung vor allem frische Landwirtschaftsprodukte, für die gerne, sofern man es sich leisten kann, mehr Geld ausgegeben wird, lauten weitere Ergebnisse der Studie.
Allerdings bestehen bei der Definition von Regionalitätskriterien Unsicherheiten. „Wo fängt Regionalität an, und wo hört sie auf? Kann man sie in Kilometern ausdrücken?“, fragte sich DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer in seiner Eröffnungsrede. Während Verbraucher Regionalität in erster Linie mit Produkten in Verbindung bringen, die in der Region angebaut, produziert und verbraucht werden, wünscht sich die Mehrheit der Befragten der DLG-Studie mehr Klarheit bei diesem unscharfen Begriff. So würden 69 % der Befragten begrüßen, wenn es ein Regionalitätssiegel mit definierten Kriterien gäbe.
Regionalitätsstrategien bei Hersteller und Handel
 
In zwei weiteren Vorträgen unterstrichen Nils Döhring, Marketing Manager FrieslandCampina Cheese GmbH, und Dirk Reimerdes, Qualitätsmanagement coop Kiel, die Bedeutung regionaler Strategien in Lebensmittel produzierenden Unternehmen sowie im Handel.
Dass „Regionalität“ nicht nur etwas für kleine Unternehmen ist, zeigte Nils Döhring am Beispiel der Marke „Noord Hollander“ des Unternehmens FrieslandCampina. Während die Bio-Welle langsam abebbte, bevorzugten Verbraucher verstärkt Produkte mit regionaler Herkunft, so Nils Döhring. Die Gründe hierfür seien vielfältig. Zum einen habe die Globalisierung dazu beigetragen, dass die zunehmende Industrialisierung der Lebensmittelproduktion und der weltweite Handel vom Verbraucher teils als fern von der eigenen Lebenswelt wahrgenommen werden. Die wiederholten Lebensmittelskandale der letzten Jahre hätten diese Entfremdung verstärkt und für anhaltende Verunsicherung gesorgt. Zum anderen wünschten sich Konsumenten, wie man aus dieser Gemütslage folgern könnte, nicht nur gesunde Lebensmittel, sondern sie verbinden mit „regional“ spezifische positive Attribute: Wissen um die Herkunft der Produkte, Frische sowie die Förderung der lokalen Wirtschaft. Und es fielen auch Kriterien der Nachhaltigkeit darunter, wie beispielsweise kurze Transportwege. „Regionalität ist quasi eine Gegenbewegung zur Globalisierung“, so lautet das Fazit Döhrings. Aber dies sei nur eine Dimension des Begriffs. Es gäbe seit Jahren ebenfalls einen Trend hin zu ausgewählten regionstypischen Spezialitäten, die aus ganz Europa stammen und von Verbraucherseite stark nachgefragt würden. „Regionalität“ komme in diesem Kontext eine andere Bedeutung zu, als bei Produkten vom „Bauern um die Ecke“. Es handele sich in der Regel um Produkte aus einer geografisch definierten Region, die in traditioneller Weise hergestellt würden und qualitativ besonders hochwertig sowie überwiegend auch in einem höheren Preissegment angesiedelt seien. „In diesen Fällen ist für den Verbraucher nicht geografische Nähe relevant, sondern die regionstypische, authentische Spezialität“, so erläuterte Döhring. Beide Dimensionen der Regionalität existierten demnach nebeneinander.
Wie schwierig Anforderungen an eine Verarbeitung rein regionaler Rohstoffe umzusetzen seien, machte Dirk Reimerdes, coop Kiel, deutlich: So wachse der Kaffee zwar nicht in Norddeutschland, aber nicht nur die Bohne sei entscheidend für seine Qualität. Für coop muss mindestens der letzte Verarbeitungsschritt „in der Region“ erfolgen. Für die Regionalitätsmarke „Unser Norden“ sind das in diesem Falle Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern.
Beispiel: Baden-Württemberg
Dr. Brigitta Hüttche, Geschäftsführerin MBW Marketing- und Absatzförderungsgesellschaft für Agrar- und Forstprodukte aus Baden-Württemberg, stellte am Beispiel von Baden-Württemberg die Entwicklungsmöglichkeiten von Qualitätszeichen im regionalen Kontext vor: So hat sich das Qualitätszeichen Baden-Württemberg in den letzten 23 Jahren von einem reinen Herkunftszeichen zu einem Qualitätszeichen mit Herkunftsangabe entwickelt. Geschaffen wurde das System vom Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum gemeinsam mit den berufsständischen Verbänden der Land- und Ernährungswirtschaft. Das Zeichen steht für Produkte, die in Baden-Württemberg hergestellt und verarbeitet werden. Die Einhaltung der Qualitätskriterien wird über ein dreistufiges Kontrollsystem abgesichert. Als Schwerpunkte der Qualitätszeichennutzung haben sich in den vergangenen Jahren die Produktbereiche Obst und Gemüse, Eier und Fruchtsaft entwickelt. „Über drei Viertel der befragten Baden-Württemberger kennen das Qualitätszeichen und wünschen sich solch gekennzeichnete Produkte“, bilanzierte Dr. Brigitta Hüttche. Als Einkaufshilfe und Qualitätssicherungssystem mit Herkunftsangabe habe sich das Zeichen in Baden-Württemberg etabliert. Neben Erzeugern und Produzenten würde es auch vom Lebensmitteleinzelhandel eingesetzt.

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